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kultur

ab heute bis samstag findet das a maze. festival in berlin statt. neben einer ausstellung gibt es unter anderem auch noch eine konferenz am samstag. hier findet man das gesamte programm.

vom mittwoch, 3. bis samstag, 6. juni stellt a maze. getreu seinem motto ‘celebrating the convergence of games and art’ game-design experimente und künstlerische arbeiten aus. die verflechtung von computerspiel, kunst und design ist thema des 4-tägigen programms. mit exponaten aus den studiengängen europäische medienwissenschaft (fh und uni potsdam), gestalten mit digitalen medien (universität der künste berlin) und game design (mediadesign hochschule berlin) sowie installationen von leif rumbke und susigames kann gespielt und gelernt werden.

neben festival-flair mit wechselnden programmhighlights ermöglicht a maze. first step einen austausch zwischen experten, neulingen und interessierten über die noch nischenhaft betrachtete design- und kunstform game art. auf der am samstag stattfindenden konferenz diskutieren internationale experten über ästhetik und innovative gestaltungsmöglichkeiten mit computerspielen. (link)

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dass es neben gewalthaltigen ego-shootern auch noch andere formen der videospiele gibt, soll ebenfalls nicht vergessen werden. in den letzten jahren haben sich gerade die online-flashspiele enorm entwickelt und besitzen teilweise eine hervorragende qualität. so auch don’t look back. viel möchte ich dazu gar nicht verraten, als geübter spieler hat man es auch in 10-15 minuten durchgespielt. obwohl es ein relativer standard-platformer ist, hat es mich doch begeistert. minimalistische grafik (4 farben!), minimalistischer sound, minimalistische steuerung: aber was für ein wunderschön melancholisches spiel.

und das ist dann meine meinung zu verschiedenen spieltheorien (ludologie vs. narratologie): spiele können gerade auch ohne große story allein durch das spielerische element charakterzeichnung verwirklichen und den spieler so teilweise emotional binden. allerdings auch nur in einem (noch) eng abgesteckten rahmen. das was “don’t look back” hier mit wenigen mitteln geschafft hat, mich nämlich mit meiner zu steuernden figur mitfühlen zu lassen, gelingt den wenigsten spielen bzw. liegt dann auch wieder in der den meisten spielen zugrunde liegenden spielform begründet: dass ein mitfühlen gar nicht gewollt ist.

moderne kunst erfordert ja oft eine gewisse vorstellungskraft beim rezipienten. dabei entfernt sie sich vom narrativen und begibt sich ins assoziative. fiona banner dreht dies nun um und produziert wahre wortmonster, in denen sie dann z.b. die autoverfolgungsjagd von bullitt nacherzählt:

fiona-banner-bullitt

link

das assoziative element wird aber z.b. bei “the works” wieder gefordert: eine braune box, in der sich die einzelnen bestandteile eines feuerwerks befinden, inkl. einer auflistung des ablaufs.

link

ihre homepage.

montag, den 26.1., war es dann also soweit: einer der helden meiner kindheit, oliver rohrbeck, besser bekannt als justus jonas, deutsche stimme von ben stiller und betreiber der lauscherlounge, war zu besuch bei uns an der uni im seminar “filmsynchronisation und übersetzungsprobleme”. thema war seine arbeit im speziellen und die synchronisationsbranche und ihre abläufe im allgemeinen. es wurden zwei wirklich sehr amüsante und interessante stunden, da er ein angenehmer und witziger redner ist, der seinen gesamtüberblick über die synchronisationsarbeit durch viele anekdoten und auch kritische betrachtungen aufzulockern wusste. kein wunder, ist er doch mit anfang 40 schon seit über 30 jahren im geschäft – angefangen hat er im alter von sieben jahren, seit er 27 ist arbeitet er zudem noch als synchronregisseur. im folgenden also meine notizen, leicht ausformuliert. allerdings setze ich hier schwerpunkte bei seinen ausführungen zur “behinderung” der eigentlichen arbeit durch raubkopierschutzmaßnahmen sowie allgemein interessante aspekte zu dem thema, den allgemeinen ablauf einer synchronisation, der den leitfaden für seinen vortrag bildete, lasse ich hier weitestgehend unerwähnt.

eröffnet wurde sein vortrag mit der anschaulichen problematik des zeitdrucks, mit dem die synchronbranche zu kämpfen hat (dies aber nicht als erklärungsversuch für schlechte synchronisationen, er ist sich der grenzen von übersetzung sehr wohl bewußt, vor allem aus seiner arbeit als synchronregisseur heraus – dabei verwies er auch auf den unterschied tv – kino; für tv-synchros ist einfach viel weniger zeit und geld vorhanden, so dass diese oftmals schlechter sind). aber nun der allgemeine zeitdruck: einem film geht oftmals jahrelange planung voraus (produzenten, verleiher etc.), die synchronfirmen erhielten den auftrag normalerweise erst 3-4 monate vor filmstart, heutzutage sogar noch knapper (ca. 1 monat vor kinostart) aufgrund der “raubkopier”-problematik, aber auch wegen des gleichzeitigen weltweiten starts von großen produktionen (ebenfalls wg. raubkopierern?).

über die maßnahmen, um raubkopiererei einzudämmen, äußerte er sich dann auch einige male sehr kritisch, da diese anscheinend die arbeit an sich behindern. früher lag den synchronfirmen der fertig geschnittene film für die synchronarbeit vor, heutzutage müssen sie mit ersten schnittfolgen oder einem rohschnitt arbeiten. wenn der film dann umgeschnitten wird, war die arbeit an somit entfallenen oder veränderten szenen also völlig umsonst. zudem ist die qualität dieser arbeitsmaterialien unglaublich schlecht. er hatte ein beispielexemplar dabei: der ton war so komprimiert, dass hintergrundgemurmel etc. gar nicht zu verstehen war; das bild so dunkel und pixelig, dass über gefühlsregungen der schauspieler auch nur spekuliert werden konnte.

die verrückteste anti-piracy-maßnahme beschrieb er allerdings für zeichentrickfilme, hier japanische animes. auf den ihnen zur verfügung stehenden videos waren nur die vergrößerten münder zu sehen, der rest war mit blenden abgedeckt. und als synchronregisseur, der kein japanisch kann, ist die einzige möglichkeit in so einem fall, über die entsprechenden gefühlsregungen der figur zu spekulieren. am ende, beim abgleich mit der vollständigen episode, sieht man erst dass der charakter traurig und nicht wütend oder fröhlich oder sonstwas ist und muss das take eben nochmal einsprechen.

eigene meinung: diese bescheuerten maßnahmen, die letztendlich die synchronarbeit nur zusätzlich erschweren und das endprodukt damit wahrscheinlich noch zusätzlich negativ beeinflußen, sollte man einfach aufgeben. denn irgendwie, meistens durch filmindustrie-insider, schaffen es die filme doch vor ihrem starttermin ins netz. mehr zeit für synchronarbeit unter besseren bedingungen und dvds, an denen der zahlende kunde keinen nachteil hat, wären geeignetere maßnahmen, raubkopiererei zu begrenzein. eindämmen läßt sie sich sowieso nicht.

zurück zum eigentlichen thema: interessant fand ich anekdoten wie z.b. dass filme, die für die degeto synchronisiert werden, immer grammatikalisch korrekt sein müssen. das hat zur folge, dass auch leute im ghetto nach einem “wegen” den genitiv benutzen müssen.

auf fsk-freigaben muss auch geachtet werden, allerdings nicht immer so wie man sich das vorstellt. bei “horton hört ein hu”, wo er als synchronregisseur (bin mir grad nicht mehr sicher) verantwortlich war, musste aus “whirlpool” “blubberbad” gemacht werden, weil er ab 0 freigegeben war.

mir unbekannt war auch, daß synchronisationen heutzutage oft zentral abgemischt werden, d.h. der französische, deutsche etc. synchronregisseur wird dann nach london eingeflogen, um wenigstens ein bißchen kontrolle über die endmischung zu haben. so käme es öfter vor, dass der mischer selber gar kein deutsch kann und die falschen sätze in den vordergrund stellt.

um nochmal den bezug zur linguistik herzustellen: dieses auseinanderreißen von prozeßen (rohübersetzung ohne film, synchronregisseur ohne anpassungsmöglichkeiten) führt in aller regel dazu, dass die anforderungen an synchronisation von thomas herbst so gut wie nie efüllt sind (thomas herbst ist so ziemlich der einzige linguist in deutschland, der sich ernsthaft mit filmsynchronisation auseinandersetzt).

in zusammenhang mit der synchronisation von filmen sind im wesentlichen zwei grundgedanken wichtig, die von weiten teilen der modernen übersetzungswissenschaft vertreten werden:

1. die bestimmung des wesens der übersetzung als kommunikatives übersetzen, was bedeutet, daß das gelingen einer übersetzung vor allem daran zu messen ist, ob beziehungsweise inwieweit der zielsprachliche text dieselbe funktion in hinblick auf sein zielpublikum erfüllt wie der ausgangssprachliche (soweit das bei der übersetzung überhaupt intendiert ist).

2. die überzeugung, daß die grundeinheit jeglichen übersetzens der text – und nicht das wort oder der satz – darstellt.

(thomas herbst 2003: müssen frühe vögel würmer fangen? in: schnitt. das filmmagazin, ausgabe 29. seite 24)

wie oliver rohrbeck ansprach, gibt es leider immer noch die aufteilung rohübersetzung (oftmals eben literarische und wörtliche übersetzung, deswegen gibt es z.b. oft die “schrift”-vergangenheit präterium in der gesprochenen sprache in filmen) und synchronregisseur, was an sich wohl ein unlösbares problem ist, da sie eben jeweils nur eine sache wirklich gut können. problematisch ist eben, dass es keine zusammenarbeit zwischen beiden gibt.

und der (an sich begrüßenswerte) “kontrollwahn” der studios, damit sich blödelsynchronisationen (siehe: die zwei, jeder asiatische film in dem 70ern und 80ern) nicht wiederholen, verhindert funktionales übersetzen nach herbst sowie erschwert die arbeit an einer übersetzung, die sich nicht wortgetreu, aber eben sinngetreu am text hält, noch zusätzlich. so müssen synchronstudios, nachdem sie eine übersetzung angefertigt haben, diese zurückübersetzen um anschließend lange gespräche mit den studios zu führen, wieso sie z.b. ein wort ausgetauscht oder einen satz leicht geändert haben. die erklärung, dass man das im deutschen so sagt und es der funktion des originals am nächsten kommt, wird dabei oft nicht verstanden.

soweit also gedanken hierzu. war jetzt leider doch relativ wenig über die eigenheiten von synchronisation an sich im vergleich zu anderen übersetzungen. ich werde bestimmt bald noch etwas zu spezifischen problemen der synchro schreiben, spätestens nach meinem bachelor. als abschluß schon mal ein beitrag von deutschlandradio kultur von letztem mittwoch, der synchronisation nicht unter linguistischen aspekten und weitaus kritischer vorstellt: das kino spricht deutsch. glanz und elend der synchronisation.

knaller der sendung, völlig aus dem kontext gerissen:

das bedeutet natürlich keineswegs, dass synchronisation in irgendeiner weise faschistisch ist

extrem interessant fand ich eine ausführung des filmwissenschaftlers joseph garncarz zur “dominanz des wortes” bei synchronisationen, meiner meinung nach auch etwas worunter deutsche film- und kinoproduktionen an sich kranken, also nicht nur synchronisationen; sehr viel worte und wenig bildkomposition.

wenn man amerikanische filme in der originalfassung im kino sieht, ist das beinahe so wie in der oper: ich habe mich gewundert, dass ich alles mögliche nicht verstehe und dachte, meine sprachkompetenz ist zu eingeschränkt. aber als ich die filme zusammen mit amerikanern gesehen habe, ging es denen nicht anders. das heisst in der amerikanischen synchronisation kommt es gar nicht darauf an, dass man immer alles versteht, was gesagt wird. die musik schiebt sich manchmal in den vordergrund und verunmöglicht die verständlichkeit der sprache. wenn man sich diese filme in der deutschen synchronisation ansieht, wird immer wert darauf gelegt, dass alles verständlich bleibt. die filme sind so gemischt, dass die musik leiser wird, wenn gesprochen wird. diese dominanz der sprache, das primat der verständlichkeit scheint besonders charakteristisch zu sein für die synchronisation amerikanischer filme in deutschland, und zwar bereits immer.

wegen des titels: es tut mir leid, ich konnte es mir nicht verkneifen … aber leider wieder keine sehr gute folge.

manchmal weiß man schon von dem rückseitentext einer dvd, dass man ein meisterwerk in den händen hält:

steven seagal ist ex-geheimagent billy ray lancing, ein survival-spezialist. die natur bietet ihm zuflucht, denn er versteckt sich vor seinen ehemaligen auftraggebern. der einzige mensch, zu dem er kontakt hält, ist irena: ein elternloses polnisches mädchen, mit dem er eine intensive brieffreundschaft pflegt. (out of reach)

warum seine projekte seit on deadly ground (hauptdarsteller, regisseur, co-Produzent — arbeitstitel: rainbow warrior! und spirit warrior! name des hauptcharakters: forrest taft!) immer ambitionierter wurden, erklärt sich natürlich dadurch, dass jeder etwas sinnvolles für spätere generationen zurücklassen möchte:

i am hoping that i can be known as a great writer and actor some day, rather than a sex symbol. (quelle)

du wirst es schaffen, steven, allein schon für die ansprache am ende von on deadly ground.

der spiegel 1960 in einem langen, lesenswerten artikel über bergman allgemein, seinen film “jungfrauenquelle” und den bedeutungskosmos seiner filme: magus aus norden

Die Gründe für die Beschlagnahme -Order konnten Kinobesitzer und Verleiher dem Beschluß des Amtsgerichts München entnehmen. “Die Schändung wird in einer Ausführlichkeit gezeigt”, schrieb der Amtsrichter, “die absolut nicht zum Verständnis der Filmhandlung erforderlich und demnach überflüssig ist.” Die Untat werde ersichtlich nur zu dem Zweck dargeboten, dem Geschmack eines gewissen Filmpublikums entgegenzukommen und ihm sexuell anreizenden, die Lüsternheit befriedigenden Filmstoff zu bieten”.

[…]

In Hamburg begutachtete ein Trupp Staatsanwälte, von der Kunde aus München alarmiert, die “Jungfrauenquelle” in einer Sonderveranstaltung, nahm aber keinen Anstoß an den 16 Metern Vergewaltigung.

[…]

Weil die Gesundheitsbehörde “pornographische Geräuscheffekte” bei einer Vergewaltigungsszene beanstandet hatte, verbot das oberste finnische Gericht die weitere Aufführung des schwedischen Films “Jungfrauenquelle”. Die optische Darbietung der Vergewaltigung wurde nicht moniert.

und weil es so schön passt, hier noch die bergman parodie “de düva” (the dove):

(gefunden hier, inkl. zwei weiterer parodien)

zum abschluß der nachruf auf bergman aus der new york times.