killer spiele werte. zur komplexität einer verbotsdebatte und ihres spielgegenstandes

mit reichlicher verspätung stelle ich hier meine im märz beendete bachelorarbeit über computerspiele und die killerspiel-debatte zur verfügung. allgemein geht es um das thema der gewalthaltigen computerspiele (oder, wie es so gerne heisst, “killerspiele”), den kulturhistorischen kontext, in dem man die moral-panic debatte sehen muss, zensur und werte, medienwirkungsforschung und die rechtliche situation in deutschland. durch mein studium betrachte ich das medium und die debatte oft auch von einem kulturwissenschaftlichen standpunkt. im analyseteil beschäftige ich mich kurz mit dem grausamen panorama-beitrag morden und foltern als freizeitspaß von 2007, welcher die vorherrschenden vorurteile in bestimmten gesellschaftlichen bereichen illustriert; sowie allgemein mit dem medial vermittelten „besorgnis-diskurs“: wovor hat man eigentlich angst?

die arbeit wird auch als buch im verlag dr. müller erscheinen. da dies ein wissenschaftsverlag ist und aufgrund des preises von 49€ wird damit nur eine bestimmte klientel angesprochen. mir ist aber wichtig, dass sich jeder interessierte mit diesem thema und meiner arbeit auseinandersetzen kann. der kostenlose download und das nichtkommerzielle verbreiten sind deshalb erwünscht und erlaubt; da dies eine wissenschaftliche arbeit ist gilt dies selbstverständlich ebenfalls fürs zitieren. allerdings bitte ich darum, die arbeit so zu belassen wie sie ist.

hier für interessierte schon einmal das inhaltsverzeichnis:

Abstract
1 Einleitung
2 Vorstellung des Problemfeldes
2.1  Computerspiele
2.1.1  Klärung des Begriffes Killerspiel sowie Anmerkungen zu
Begrifflichkeiten und Genres
2.1.2 Ego-Shooter und Überlegungen zur Funktionsweise von
Computerspielen
2.2 Kurzer Überblick über die von Zensur betroffenen Felder
2.3 Struktur und Inhalt
2.4 Moral Panic
2.5 Medienwirkungsforschung und kulturwissenschaftliche Perspektiven
2.5.1 Allgemeiner Überblick
2.5.2 Möglichkeiten der Transferleistung
2.5.3 Aktives Handeln als Gefahr? Eine kulturwissenschaftliche Perspektive
2.6 Die Situation in Deutschland
2.6.1 Der Amoklauf als Auslöser der gesellschaftlichen Debatte
2.6.2 Gesetzeslage
3 Betrachtung des Diskurses
3.1 Morden und Foltern als Freizeitspaß
3.1.1 Die Hot Coffee Mod und der Vergewaltigungsvorwurf
3.1.2 PanAmp und der Ego-Shooter Filter
3.1.3 Fehlender Hinweis auf bestehende Alterskennzeichnungen, USK und
BPjM
3.1.4 Die Inszenierung der interviewten Spieler und die Berichterstattung
über Call of Duty 2
3.2 Schlussdiskussion

4 Weiterführende Gedanken

ich freue mich über jede form der kritik oder weiterführende anmerkungen in den kommentaren oder per mail.

killer spiele werte. zur komplexität einer verbotsdebatte und ihres spielgegenstandes (1 mb)

link zu amazon: klick

[nachtrag] hier wird über fehlende wissenschaftliche sowie formale standards meiner arbeit diskutiert, wobei ich ehrlich gesagt die argumente nicht ganz nachvollziehen kann.

da anscheinend zu versteckt nur über den amazon-link zu erfahren, sei hier also noch einmal erwähnt, dass ich im april meinen ba kulturwissenschaften mit den schwerpunkten linguistik und sozialwissenschaften an der viadrina frankfurt/oder gemacht habe. die arbeit selbst wurde von beiden prüfern mit 1,0 bewertet, in der mündlichen prüfung gab es die gleiche note. und nein, ich hatte “keinen guten stab, der sich um stil und korrektur bemüht hat”.

danke an alle, die meine arbeit heruntergeladen haben (aktuell 1176) bzw. sie verlinkt haben.

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12 comments
  1. gr0dia said:

    interessante Arbeit!
    Es ist wirklich schade, dass Killerspiele in den Medien häufig völlig falsch dargestellt werden.
    Ich finde das erzeugt die Wut gegen die Killerspiel-Debatte, da sie nicht wissenschaftlich und faktenbasiert geführt wird.
    Ich hoffe deine Arbeit wird Verbreitung finden, damit endlich eine einheitliche Diskussionsbasis geschaffen wird.

  2. Alex said:

    Und ich dachte immer, derartige arbeiten (gemeint sind akademische abschlussarbeiten) würden eine zeit lange gesperrt werden/sein müssen…

  3. Nico said:

    Hallo Simon,

    zunächst ein Lob, dass Du Dich sachlich und meiner Ansicht nach sehr fundiert (und das ist sicherlich schwierig angesichts der eher dünnen Literaturlage) mit der Thematik auseinandersetzt und zudem den Mut hast, Dich einer Öfffentlichkeit zu stellen.
    Zudem finde ich es erfrischend, dass (zumindest im Gegensatz zu den Publikationen, mit denen ich mich auseinandersetzen muss) Du recht locker schreibst (u.a. aus der Ich-Perspektive [no pun intended]), meist ohne unsachlich zu werden (von einigen Ausnahmen, in denen Du zum Schluss Deine Meinung kundtust, ohne diese zu hinterfragen, s. S. 51 unten).
    Dennoch finde ich (und der Rest ist als rein subjektive Kritik zu verstehen), dass einige Aspekte unglücklich gelaufen sind.
    Zum einen wird das Ziel Deiner Arbeit nicht klar. Möchtest Du den aktuellen Diskurs zusammenfassen, wie ich es aus dem Abstract lese oder verfolgst Du das Erkenntnisziel einer Medienwirkungsanalyse bzw. der Frage, ob und wenn ja aus welchen Gründen die Verbreitung von “Killerspielen” eingeschränkt werden sollte.
    Zudem erscheint mir die Arbeit nicht optimal strukturiert, so wirkt sie auf mich eher zusammengeschustert, ohne dass ein roter Faden klar erkennbar ist. Beispielsweise soll wohl der Panorama-Beitrag als Beispiel für die parteiische Partizipation der (öffentlich-rechtlichen) Medien in den Diskurs angeführt werden, dies wird meiner Ansicht nach nicht ausreichend herausgestellt.
    Langes Geschwätz, kurzer Sinn: Wenn Deine Masterarbeit (und ggf. eine Dissertation) in eine ähnliche Kerbe schlagen soll, versuche neben einer dann (hoffentlich) größeren Literaturbasis auf ein klareres Ziel hinzuarbeiten.

  4. hampuslarsson said:

    erstmal danke für das interesse!

    alex: also mein ba-betreuer meinte, nach der mündlichen prüfung dürfte ich sie veröffentlichen. von einer anderweitigen sperrfrist habe ich nichts gehört.

    nico: auch dir danke für deine überlegungen. wie du festgestellt hast, äußere ich hier und da auch eine eigene meinung, versuche diese aber eigentlich abzuwägen. so erwähne ich auf s.51, dass meiner meinung nach spielsucht die gegenwärtigste gefahr zur zeit darstellt (unter berücksichtigung individueller faktoren sowie der allgemeinen technischen entwicklung). diese ansicht hätte ich deutlicher (nicht nur durch die folgende fußnote) abschwächen sollen, da gebe ich dir recht. denn wie anschließend erwähnt, gibt es auch diese befürchtung der medien-sucht schon sehr lange, und die faktenlage ist ähnlich dünn wie bei der medienwirkungsforschung bezüglich gewalt.

    zum ziel sowie der struktur meiner arbeit: wie im abstract angedeutet, geht es mir wirklich mehr um eine bestandsaufnahme, also den diskurs um diese spiele, besonders im kontext allgemeiner “moral panic”-diskurse. medienwirkungsanalyse oder einfache antworten wollte ich nicht geben, auch weil ich damit den gleichen fehler machen würde wie personen, die actionspiele verbieten möchten (teilweise parteiisch bin ich dann aber schon). in diesem zusammenhang bin ich aber eigentlich relativ glücklich mit der struktur der arbeit. ziel war nähmlich auch, den gegenstand des videospieles insgesamt von unterschiedlichen positionen zu betrachten. so gibt es kulturhistorische betrachtungen zur medienentwicklung, die meiner meinung nach sehr gut zum punkt “struktur und inhalt” überleiten, aber eben auch unvermeidbare abschnitte wie die rechtliche situation. der zweite teil, eingeleitet durch den panorama-beitrag, sollte abschließend allgemeinere gedanken zur problematik formulieren, der fernsehbeitrag stellte hier exemplarisch bestimmte vorurteile dar, die vorher auch schon angesprochen wurden. einen expliziten roten faden gibt es somit nicht, aber zwischen den exkursen finde ich eigentlich schon, dass ich relativ klar auf die schlußbetrachtungen hingesteuert habe.

  5. Vivian said:

    Hey Simon,
    schön zu sehen, dass das Thema wissenschaftlich nicht untergeht!

    Ich habe 2008 meine Diplomarbeit (Note1,8) zum Thema Zensur abgegeben und bin derzeit daran diese zu Überarbeiten, um Sie dann als Buch beim Telosverlag zu veröffentlichen.

    Ich werde Deine Arbeit lesen, vielleicht kann ich ja an irgendeiner Stelle Bezug darauf nehmen :)

    Schick Sie dir dann auch gerne nach beendeter Überarbeitung :)

    Liebe Grüße, Vivian

  6. hampuslarsson said:

    hallo vivian,

    würde mich natürlich freuen, wenn dir meine arbeit irgendwie hilfreich sein kann.

    und ja, ich bin sehr interessiert an deiner (telos-verlag, sehr gut). kannst sie mir also gerne zuschicken.

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