und so (2)

dieser lange und ausführliche artikel über die evangelikalen in deutschland aus dem taz.magazin vom 10./11.01.2009 ist wirklich  lesenswert:

es sind nunmehr fast eineinhalb millionen evangelikale, die sich unter dem dach der “deutschen evangelischen allianz” versammeln. manche schätzungen kommen sogar auf bis zu 2,5 millionen evangelikale in deutschland. hunderte neue freikirchliche gemeinden, die dem evangelikalen spektrum zugerechnet werden, haben sich in den vergangenen jahren gegründet. viele von ihnen sind deutlich radikaler als die klassischen freikirchen, die oft bereits im 19. jahrhundert entstanden sind. dazu kommt eine unübersichtliche zahl von bibelhauskreisen, missionarischen zentren, evangelikalen vereinen und sozialeinrichtungen – von drogentherapiegruppen auf bauernhöfen bis zu armenspeisungen in den städten.

[…]

seit wenigen wochen haben die evangelikalen auch eine staatlich genehmigte hochschule, die freie theologische hochschule in giessen, die vorher lediglich den status einer akademie hatte.

[…]

doch so sehr sich die evangelikalen um einfluss bemühen, einem religiösen rollback sind enge grenzen gesetzt. deutschland, eine heilige christliche nation? mit der wirklichkeit hat das wenig zu tun. und das ist ihre heimliche tragödie: eine pluralistische gesellschaft hält die evangelikalen aus – sie sind es, die an ihr verzweifeln.

grundsätzlich ist das auch meine sichtweise – dass eine demokratie dann stark und “gesund” ist, wenn sie sich auch demokratisch mit ihren feinden und problemen auseinandersetzt, also eben nicht einfach durch verbote sondern vielmehr durch diskurs und aufklärung. ein unwohles gefühl stellt sich trotzdem ein, wenn man an die kürzlich erzwungene entschuldigung des chefs der bundeszentrale für politische bildung, thomas krüger, denkt:

im dezember aber verlangte baake [lobbyist der deutschen evangelikalen; anmerkung von mir] den rücktritt des chefs der bundeszentrale für politische bildung, thomas krüger – und hatte damit fast erfolg. streitpunkt war ein text in einer bundesweiten schülerzeitung, in dem die jugendlichen autoren die evangelikalen heftig kritisierten. die zeitung wird von der bundesbehörde mitfinanziert. auf druck von bibeltreuen christen und aus der politik distanzierte sich bundeszentralenchef krüger von dem schülerheft – und von einem begleitschreiben, in dem er selbst islamisten und evangelikale gruppen verglichen hatte. es ist zwar nur ein kleiner, aber doch bemerkenswerter sieg für die evangelikalen. und für baake.

endlich habe ich mir jetzt auch spotify angeguckt. einen vorteil hat eine fernbeziehung also doch: denn aus deutschland bekommt man auf der seite mitgeteilt, was man bei so vielen onlineversuchen, das nutzungsverhalten des großteils der bevölkerung endlich ohne restriktive technologien zu legalisieren (z.b. hulu), zu sehen bekommt:

not available in your country yet

man kann sich nur per mail informieren lassen, wenn es denn so weit ist. da ich aber eine schwedische freundin habe, konnte sie mich aus schweden per invite eintragen; nachdem sie mir dann die installationsdatei geschickt hat war es auch schon soweit. denn im gegensatz zur homepage, die per ip registrierungsversuche aus den falschen ländern aussortiert, kann man sich mit dem programm und seinem accout anschließend problemlos einloggen. das land wird dann nicht mehr gecheckt. seit ein paar tagen nutze ich spotify also und muss sagen, wirklich sehr ordentlich. die qualität geht in ordnung, ladezeiten sind nicht vorhanden und auch der katalog kann sich sehen lassen. kleinere bands sind leider nicht enthalten bzw. nur mit ein, zwei liedern. aber von z.b. fridge gibt es einige alben, soweit ich gesehen habe ist von mogwai sogar der gesamte backkatalog verfügbar.

trotzdem ist der (vorläufige) ausschluss verschiedener länder ärgerlich und macht deutlich, dass, auch wenn spotify als produkt ein schritt in die richtige richtung ist,  “sie” es eben noch nicht begriffen haben – die inhalte sind sowieso da, z.b. tv-sendungen legal auf den internetseiten der amerikanischen fernsehsender oder eben hier millionen an streambaren musikdateien durch werbung finanziert. aber aus deutschland darf man meistens noch nicht darauf zurückgreifen, weil rechte noch nicht abgeklärt wurden oder nie werden. also nutzt man weiterhin die, ebenso komfortabel erreichbaren, illegalen inhalte.

winter, auf dem weg zur uni nach frankfurt/oder:

winter-brandenburg

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1 comment
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